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 Waiting for the rain to come

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BeitragThema: Waiting for the rain to come   Do Aug 16, 2012 6:32 am

Im Vorhinein ein paar Informationen zu der Kurzgeschichte:
Es geht um ein Mädchen, Jale, dass einen Brief von einem Jungen, Juron findet. Alles weitere dazu erfahrt ihr während der Geschichte. ^^
Dabei habe ich den Brief in silber und kursiv gedruckt geschrieben, Juron's Sicht aus der Ich-Perspektive und Jale's Sicht aus des allwissenden Erzählers. Ich hoffe, es ist nicht zu verwirrend ^-^
Die beiden Charaktere gehören nicht mir, also die Jale in der Geschichte bin nicht ich, und die Geschichte ist auf einen Auftrag in einem anderen Forum hin entstanden.
Inspiriert zu dieser Geschichte haben mich, abgesehen von den Vorgaben/Anregungen des Auftraggebers, einige Lieder von Poets of the Fall, Stanfour und viele weitere (epische *-*) Bands (:
Doch nun zur Geschichte, viel Spaß beim lesen!

_________________



Waiting for the rain to come
Eine Geschichte über Leid und Trauer, Sehnsucht nach Verständnis
und einer unerwiderten Liebe



„Das Leben geht weiter. Die Zeit bleibt nicht einfach stehen, was auch geschehen mag.
Manche sagen, Gott schenkte uns das Leben, also dürfen wir es nicht einfach verwerfen, sondern sollten es genießen.
Aber wie kann dies stimmen? Gott schenkte uns auch den Tod, der mir so viel wertvoller scheint als das Leben.
Was wäre das Leben ohne den Tod? Wir würden es nicht zu schätzen wissen, es wäre sinnlos.
Klar, zu leben heißt lachen, Freude und Liebe, aber es heißt auch Schmerz zu empfinden, Trauer, und innerlich zu sterben.
Was bringt uns das Leben? Wir begehen nur Fehler, und erst der Tod zeigt uns,
was wir zu bereuen haben und wie wichtig uns jemand doch war.
Menschen sind dumm, sie fürchten den Tod, der in Wirklichkeit Erlösung verheißt, so
wie sie alles Unbekannte fürchten. Sie sind feige. Ich will nicht mehr so sein.
Und endlich habe ich einen Weg gefunden, wie ich alles zum besseren wenden kann.
Der einzige Weg, der richtig für mich ist.“
Auszug aus Juron's Tagebuch, vom 16. 04. 2011





Liebe Jale,
wahrscheinlich hattest du erwartet mich hier vorzufinden und nicht diesen Brief.
Aber es gibt so unendlich vieles, das ich dir erzählen möchte, dir aber nicht sagen kann. Es ist
viel zu viel, um es alles aufzuschreiben.
Es gibt einiges, das ein Mensch ahnen kann…wenn er sich nur auf sein Gefühl verlassen
würde. Aber manche Dinge kann man einfach nicht voraussehen – ich zum Beispiel hätte noch
vor ein paar Jahren niemals gedacht, dass ich nun hier stehen würde, wo ich stehe.


Ich stand auf der Brücke, den Blick zum Himmel gerichtet. Sterne leuchteten, erhellten die
Nacht, doch ich konnte auch erkennen, dass sich in der Ferne ein Unwetter annäherte. Dunkle
Wolken kündigten Regen an, oh so seligen Regen. Manche mögen mich für verrückt halten,
doch ich liebte den Regen. Ich liebte es, wenn die Tränen des Himmels über mein Gesicht
laufen. Sie verdecken meinen eigenen Schmerz. „Happy Birthday“, flüsterte ich leise zu mir
selbst, in die Dunkelheit der Nacht.

Soll ich an das Schicksal glauben? Ich bin mir nicht sicher, denn wenn es tatsächlich so etwas
wie das Schicksal geben würde, dann wäre so gut wie alles, was uns seit unserer Geburt an
beigebracht wurde eine Lüge – freier Wille etwas zu entscheiden, gibt es so etwas? Doch
wenn es das Schicksal gibt – dann hoffe ich, dass es etwas Gutes für dich für dich voraussieht.
Das habe ich immer gewollt, dass du eine gute und glückliche Zukunft hast, das weißt du
doch, oder? Unendliche von Fragen, philosophische Fragen haben mich oft nächtelang wach
gehalten. Ist das nicht etwas ungewöhnlich für einen Jungen meines Alters?


Jale musste blinzeln, während sie seine Worte las. Was bedeutete das? Was soll der Brief?
Ohne dass sie den Grund dafür kannte, schlug ihr Herz in der Brust schneller. Sie saß hier
alleine, hier, an ihrem Platz, der Waldrand, seinen Brief in ihren Händen.

Was immer auch geschehen ist – es hat uns, mich verändert. Bevor ich dir begegnet bin, war
alles anders und doch so gleich…
Ich kann nicht leugnen, dass du mein Leben verändert hast. Jedoch hast du mich nicht zu dem
gemacht, was ich nun bin – du hast lediglich diese Seite von mir hervorgerufen, nachdem sie
so lange tief in meinem Innersten verborgen gewesen war – wie ein Käfig, dessen Türen du
geöffnet hast.
Du sollst wissen, dass das alles nicht so geplant gewesen war. Ich hatte niemals vorgehabt,
dich zu verletzen, und jetzt habe ich es doch getan…Es tut mir alles so leid. Wie wenig Tiefe
die Worte doch besitzen…wie soll ich damit jemals ausdrücken können, wie leid es mir
wirklich tut?
Ich würde alles tun, um den Schmerz wieder von dir zu nehmen, den ich dir zugefügt habe.
Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn wir uns niemals begegnet wären.
Doch die Zeit kann man leider nicht zurückdrehen…weswegen ich hoffe, dass du zumindest
das alles, alles was mich betrifft, irgendwann einfach vergessen kannst…
Und ich will es dir leichter machen…unsere Wege werden sich nicht mehr kreuzen. Ich werde
gehen, aus deinem Leben verschwinden, für immer. Denn wirklich reingepasst habe ich dort nie,
in dein Leben.


Ein leichtes, trauriges Lächeln trat auf mein Gesicht, als ich an das zurückdachte, weswegen
ich nun hier stand. Es kam mir etwas ironisch vor, dass heute, in der Nacht, die die beste
meines Lebens hätte werden sollen, alles enden würde. Früher hatte ich Träume gehabt, habe
davon geträumt, dass mein Leben an meinem 17.Geburtstag so richtig beginnen würde. Ich
dachte, ich würde neu geboren werden in dieser Nacht. Aber lag ich denn damit so falsch?
Vielleicht war heute tatsächlich der Tag, an dem alles endlich besser werden würde. Nein,
nicht nur vielleicht, es war die Nacht, die mich erlösen sollte. Kein Schmerz mehr, keine
Tränen. Keine Leere, nur noch Freiheit.

Du warst die, die von allen gemocht wurde. Die Zurückhaltende, die überall reinpasste. Du
warst glücklich. Und du hast ihn. Du musst wissen, er liebt dich wirklich. Und er tut dir so
gut. Er ist der Richtige für dich. Ich war es nie. Ich war es, der die Trauer erst in dein Leben
gebracht hat, weil ich ein gebrochener, hoffnungsloser Junge bin. Meine Gedanken sind zu alt
für meinen Körper, zu tiefgründig. Schon immer gewesen. Und dass war immer etwas, mit
dem du nie zurechtgekommen bist. Du möchtest das Leben leben, lieben, glücklich sein. Spaß
haben. Du möchtest beliebt sein, Freunde haben, du willst, dass sich all deine Träume
erfüllen und hast immer nach dem Einen gesucht, der dir bei dem Weg dahin helfen kann. Ich
habe es versucht, wirklich versucht. Ich habe versucht, mich zu verändern, damit ich der sein
kann, der dich für immer glücklich macht. Doch das konnte ich nicht. Und du wolltest mich
nicht. Nicht wirklich. Weißt du, in der Nacht, als du mich erneut von dir stießt, als ich dich
erneut verletzte, da gab ich auf. Da sah ich ein, dass ich falsch war. Dass mein Leben falsch
war und ich es nicht ändern konnte. Als du dann ein paar Tage später mit einem Anderen
rumliefst, den du nicht zurückstießest, schmerzte er zuerst. Ich war eifersüchtig, und es tut mir
leid. Es tut mir leid, dass ich versucht habe, euch zu trennen, dass ich versucht habe, dich zu
beeinflussen. Es tut mir leid, dass ich versucht habe, deine Liebe zu gewinnen. Es sollte nicht
sein. Ich sollte es nicht sein. Niemals.


Jale’s Atem ging inzwischen stoßweise, ihr Körper, der nur von dem leichten Sommerkleid
bedeckt war, fror im kalten Nachtwind. Sie war vorher noch auf einer Party gewesen und
hatte sich nicht umgezogen, als sie die SMS von Juron erhalten hatte. Erst hatte sie die SMS
ignoriert, doch dann war sie doch losgegangen. Zu dem Ort, den Juron ihr einst gezeigt hatte.
Sein Lieblingsort. Sie hatte es sich gemerkt, denn sie hatte Juron niemals vergessen können.
Er war immer schon anders gewesen als die anderen, besonders. Als sie jetzt seine Worte las,
war ihr Kopf leer. Allein eine unheilvolle Erwartung erfüllte sie.

Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, über alles. Mein Leben. Den Sinn. Und über dich.
Du bist ein wundervoller Mensch und ich schäme mich so dafür, dich verletzt zu haben. Ich
war egoistisch. Ich hoffe, du kannst mir irgendwann verzeihen. Ich bin mir nicht sicher, wann
es war, aber es gab einen Teil in meinem Leben, in der ich mein Ziel aus den Augen verloren
habe. Wörter verloren an Bedeutung. Alles verlor an Bedeutung. Ich sah endlich, wie sinnlos
so viele Dinge in meinem Leben doch waren. Wenn der Sinn des Lebens sein soll, den Sinn zu
suchen, was soll man denn tun, wenn man herausgefunden hat, dass einem dafür die Kraft
fehlt? Das Leben eine ewige Suche, am Ende immer der Tod. Was ist nun, wenn der Sinn des
Lebens der Tod ist? Alles läuft darauf hinaus. Jeder endet. Irgendwann habe ich mal
jemanden darüber sprechen hören, dass sowieso alles aufs gleiche Ziel zugehen würde, egal
welchen Weg man wählt. Er sagte, dass es Schicksal sei, wo man landen würde. Weißt du,
was mir damals durch den Kopf ging? Das es doch egal ist, was das Ziel ist, solange man die
Möglichkeit hat, seinen eigenen Weg zu wählen. Denn sagt man nicht, dass der Weg das Ziel
ist? Wenn es dir nun vorbestimmt ist, dass du sterben sollst, hast du noch immer die
Möglichkeit, deinen eigenen Weg zu gehen. Und so werde ich es auch tun. Mein eigener,
kleiner Weg. Meine Entscheidung. Mein Ende.


Tränen liefen über mein Gesicht, doch ich merkte es erst, als ich die Hand hob, um sie
abzuwischen. Meine letzten Tränen. Wie sich doch alles verändert hatte. Ich trat ein paar
Schritte näher ans Geländer der Brücke heran, mein Blick glitt über das stetig dahinfließende
Wasser. Ich sehnte mich danach, ein Teil davon zu sein. Schuldgefühlte erfüllten meine
Gedanken und mein Herz, als ich daran dachte, was ich den Menschen antat, die ich
zurückließ. Doch ich hatte dafür gesorgt, dass keiner von ihnen mich wirklich vermissen
würde. Habe dafür gesorgt, dass keiner von ihnen mich wirklich liebte, damit keiner Schmerz
empfinden musste. Ich konnte einfach nicht mehr, die Last des Lebens ist zu schwer für mich
geworden. Kurz musste ich daran denken, wie meine Mutter früher mit mir durch den
Winterwald gegangen war, über diese Brücke, unsere Füße im Gleichschritt. Ihre Beine waren
so anmutig über das knarzende Holz geglitten, während meine ungeschickt gewesen waren.
Eine der wenigen glücklichen Erinnerungen, die ich noch hatte. Wir hatten zusammen
gelacht, sie hat mir die Schönheit des Eises gezeigt. Und inzwischen war sie selbst kalt wie
Eis. Gestorben. Von uns gegangen, in einer Zeit, in der ich sie so sehr gebraucht hätte. Sie
hatte Krebs gehabt. Vielleicht war es das gewesen, dass mich dazu gebracht hatte, über das
Leben nachzudenken. Vielleicht war es das gewesen, dass mich verändert hat. Doch das
glaube ich nicht wirklich…ich hatte schon vorher begonnen, mich zu verändern. Niemand
hatte es gesehen. Kaum einer weiß, wie sich wirklicher Schmerz anfühlt. Und wie es sich
anfühlt, alleine zu sein. Niemanden zu haben, der einen etwas von der Schuld abnimmt, die
die Seele zerdrückt.

Irgendwann habe ich begonnen, Gedichte darüber zu schreiben. Vielleicht findest du sie ja,
vielleicht liest du sie. Vielleicht gefallen sie dir. Doch ich zweifle daran, denn der Tod war nie
ein Thema, mit dem du dich beschäftigen wolltest. Ich war da anders. Habe wahrscheinlich zu
viel darüber nachgedacht. Warum ich dir all das schreibe? Weil ich wollte, dass du die
Chance hast, mich zu verstehen, bevor du mich für immer vergisst. Okay, möglicherweise ist
es auch ein Teil Selbstsucht von mir. Ich wollte ein einziges Mal jemanden von mir erzählen.
Und ich konnte es, kann es. Weil es diesmal nichts gibt, wovor ich mich fürchte, es ist egal,
wie deine Reaktion ausfällst, und was du mit meinen Worten tust, denn ich werde nichts
davon mitbekommen. Es ist zu spät, es ist vorbei. Du musst wissen, dass ich dich mehr als
alles andere geliebt habe. Auch wenn ich dich verletzte, wenn ich dein unschuldiges Herz
angriff, ich habe niemals aufgehört, dich zu lieben. Ich liebe noch immer, wie du meinen
Namen sagst. Kann nicht vergessen, wie es war, als ich dich halten durfte, für diese kurze, so
unecht scheinende Zeit. Es war mein Traum vom Glück gewesen. Doch ich hatte schon vorher
gelernt, dass mein Glück niemals beständig war, sondern wieder und wieder zerplatzte, jedes
Mal war es nur eine kurze Illusion, die wie ein Lichtstrahl mein dunkles Leben, meine dunkle
Seele erhellte. Ich finde keine Worte mehr, die dem gerecht werden, was ich dir sagen will,
wirklich sagen will. Es tut mir leid. Ich habe dir doch mal von meinem Traum erzählt, fliegen
zu können, oder? Der Traum, in dem ich endlich frei war, so unendlich frei. Die Nacht nahm
mich auf, ich hörte das Wasser rauschen, und ich konnte fliegen. Unendliche Freiheit.


Endlich, viel zu spät, begriff Jale, was ihr Innerstes schon seit der SMS geahnt hatte. Den
Brief noch in der Hand sprang sie auf und lief los. Zuerst wusste sie nicht, wohin sie laufen
sollte, doch dann blitze eine Erinnerung vor ihr auf. Juron, wie er, wunderschön wie er war,
sie an die Hand nahm, ein erwartungsvolles, lebendiges Blitzen in den tiefgründigen Augen,
und sie zu dem Ort zog, den er sonst nur mit seiner Mutter geteilt hatte. Sie war so dumm
gewesen, hatte nie verstanden, wie sehr er ihr damit bewiesen hatte, dass er ihr vertraute, sie
liebte. Sie hatte immer gedacht, er würde nur mit ihr spielen. Sie hatte Angst gehabt, weil er
so anders war. Dabei war er es immer gewesen, nach dem sie sich gesehnt hatte. Ihre Füße
stolperten über einige Äste und fluchend blieb Jale stehen. Zog ihre hohen Schuhe aus, ließ
sie liegen, lief weiter. Es war unwichtig. Sie durfte nur nicht zu spät kommen. Es durfte noch
nicht zu spät sein. Ihre langen Haare wehten im Wind und eben jener zehrte an ihrem Kleid,
hinderte sie daran, schneller zu laufen. Der leicht feuchte Waldboden unter ihren Füßen fühlte
sich weich an, und angenehm warm. Sie hatte ganz vergessen, wie es war, so zu laufen. Hatte
sich viel zu sehr darauf konzentriert, sich ein Leben aufzubauen, dass sie genau das Gegenteil
tat. Nach Juron’s Worten begriff sie es endlich. Verstand, dass sie falsch gehandelt hatte. Das
hatte sie nie gewollt. Nie bemerkt. Wie ein kleines, unwissendes Kind hatte sie sich verhalten,
eitel und in ihrer eigenen, sichern Welt verschanzt. Keuchend erreichte sie den kleinen, fast
unsichtbaren Weg, der zu der Brücke führte. Jale wusste, dass Juron dort sein musste. Und als
sie bei der Brücke ankam, sah sie ihn. Dicht am Abgrund. Zu dicht. Sie rief seinen Namen,
und er hörte sie. Drehte sich um, sah sie an. Für einen kurzen Moment wirkte er ertappt, doch
dann wandelte sich der Ausdruck auf seinem Gesicht, jede seiner vorherigen Masken fiel ab,
und pure Trauer, Hoffnungslosigkeit erfüllten alles in ihm. Seine Augen sagten „Ich liebe
dich“, dann tauchte er durch das Geländer hindurch und sprang. Flog.
„Nein! Nein, Juron, nein! Bitte…ich…“
Ihre Worte verstummten, während sie zum Rand der Brücke lief. Sie sah nichts als Wasser.
Grausames, unbarmherziges Wasser. Solange ihre suchenden Augen auch den Fluss
betrachteten, sie fand nichts. Der Fluss war zu tief, die Strömung zu stark, die Entfernung von
Wasseroberfläche und Brücke zu hoch. Der Fluss hatte Juron mit sich genommen. Für immer.
Das waren seine Worte gewesen. Er würde gehen, für immer. Schluchzend sank Jale
zusammen, ihr Körper schlug schmerzhaft auf dem kühlen Holz der Brücke auf. „Ich liebe
dich doch auch…“, flüsterte sie mit erstickender Stimme. Es war zu spät. Tränen
verschleierten ihre Sicht, flossen über ihr Gesicht. Viel zu spät hatte Jale begriffen. Und nun
war es vorbei, alle Chancen verspielt. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie noch immer Juron’s
Brief in der Hand hielt. Er war zerknittert, doch sie erinnerte sich, dass da noch mehr
gestanden hatte. Also faltete sie ihn mit zitternden Händen wieder auseinander, noch immer
am Boden liegend. Sie konnte nicht aufstehen, wollte nicht aufstehen. Nie wieder.
Sie hatte Juron verloren.

Mein Traum wird wahr werden. Wenn du zu mir kommst, wird es zu spät sein, ich werde dann
frei sein, ein einziges Mal geflogen sein. Das war die einzige Hoffnung, die ich noch haben
konnte. Dass ich den Schmerz irgendwann einmal beenden könnte. Und nun ist es endlich so
weit. Du bist die Einzige, der ich einen Brief geschrieben habe. Mein Abschiedsbrief. Weil du
die Einzige bist, die mir mehr bedeutet hatte als mein eigenes Leben. Deshalb musste ich auch
gehen. Du kannst so viel glücklicher sein ohne mich, ich gehöre nicht in dein Leben und
diesen Fehler musste ich wieder ausgleichen. Es ist zu viel passiert, als dass ich einfach so
weiterleben könnte. Es gab nur noch so wenig, was mir Frieden geschenkt hatte. Ich war
einer von so wenigen, der den Regen mochte. Wirklich mochte. Er ist so wunderschön, so
wohltuend…so inspirierend. So viele behaupten, sie würden den Regen mögen und zucken
dann doch angeekelt zusammen, sobald er auf ihre Haut tropft. Alle fangen sie an, nach
einem Unterschlupf zu suchen, sobald die Tränen des Himmels anfangen zu fließen. Ich habe
das nie getan. Das sollst du über mich wissen. Ich habe dich niemals angelogen, das konnte
ich nie. Vielleicht habe ich einiges vor dir verborgen, doch das nur, um dich zu schützen.
Aber ich habe versagt. Es tut mir so leid…mehr, als du dir vorstellen kannst. Jede Sekunde
musste ich an den Schmerz denken, den ich dir zugefügt habe. Jetzt endlich kann ich
vergessen. Ich kann frei sein, so frei. Ich liebe dich, bitte verzeih mir. Und bitte vergiss mich,
denn so ist es besser für dich. Ich wünsche dir alles Gute für dein Leben, möge dir niemals
wieder jemand Leid zufügen. Es gibt noch so viel, dass ich dir sagen will, es würde so viele
Lieder geben, aus denen ich dir zitieren könnte, um meine Gefühle und Gedanken zu zeigen,
doch es ist nun Zeit, dass ich loslasse. Free as a bird I’m flying.
Forever, Juron.


Fassungslos hielt Jale den Brief in den Händen. Das letzte, was sie von Juron besaß. Seine
letzten Worte. Noch immer flossen Tränen über Jale’s Gesicht, unaufhörlich schienen sie zu
sein. Er hatte sich ihr gezeigt, schon früher, und sie hatte es nie gesehen. Nie verstanden. Nie
verstehen gewollt. „Warum?“, keuchte Jale, schon heiser vom Weinen. Dann begannen die
ersten Tropfen vom Himmel zu fallen.
Regen.
Unendlich.
Für immer…




_________________

Wie findet ihr sie? Irgendwelche Fehler gefunden? Wenn ihr wollt, dann hinterlasst ein Kommentar - wenn nicht..dann nicht (:


EDIT:
Wer wissen will, um welchen Auftragsthread es sich handelt..es geht um den hier (:
Er wurde schon vor einiger Zeit geschlossen, aber ich habe ein paar Notizen von mir dazu wiedergefunden und habe deswegen versuche deswegen jetzt, die Geschichten, die mir in Auftrag gegeben wurden, trotz allem zu beenden x3
Auch wenn es noch etwas dauern könnte ^^ Hab nicht allzuviel Zeit zum schreiben, und oft fehlt mir die Inspiration.


Gray
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